Ausbildung für Jahr-Ausbildung und Childcare in Europa

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Die Geschichte der Kindergärtnerin

In einer fünfjährigen allgemeinbildenden und fachspezifischen Ausbildung erwerben heute junge Menschen in Österreich die Befähigung, mit Kleinkindern und Schulkindern in Kindergärten, Horten und anderen Betreuungseinrichtungen zu arbeiten. Auch wenn mittlerweile die Berufsbezeichnung "Kindergarten- und HortpädagogIn" in Fachkreisen durchaus üblich geworden ist, spricht man landläufig immer noch von der "Kindergärtnerin". Um die Entwicklung dieses vergleichsweise noch sehr jungen Berufs geht es in dem folgenden Artikel. Lassen Sie sich also auf einen Streifzug durch die Geschichte der letzten rund 150 Jahre ein!

Sittlicher Charakter, gute Allgemeinbildung und eine schöne Singstimme...

... galten in den Anfängen der Kindergartenbewegung als wichtige Voraussetzungen für den Beruf der Kindergärtnerin. Witwen, ältere Damen der gehobenen gesellschaftlichen Schichten und Klosterfrauen arbeiteten demnach in den Einrichtungen. Berufspraktisches Wissen wurde in der Art eines Lehrlings-Meister-Verhältnisses erworben. Eine formale Ausbildung für diesen Beruf existierte in Österreich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht. Erst 1868 kam es zur Gründung einer Bildungsanstalt für Kindermädchen und Kleinkindlehrerinnen und damit zur grundsätzlichen Anerkennung der pädagogischen Grundausbildung als wichtige Voraussetzung für die Arbeit mit Kleinkindern.

1871 wurde innerhalb der Berufsvereinigung österreichischer Lehrer auch eine Sektion für Kindergärten gebildet; die Ausbildung für Kindergärtnerinnen konnte von jetzt an in den Lehrerbildungsanstalten erworben werden und dauerte ein Jahr lang. Das Mindestalter für die Aufnahme lag bei 16 Jahren.

Bewahranstalten und Kindergärten

Für unsere heutigen Kinderbetreuungseinrichtungen existieren historisch zwei Wurzeln:

Das Zeitalter der Industrialisierung, welches in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von England seinen Ausgang nahm, brachte die Trennung in Arbeits- und Wohnstätte und damit das Problem der Kinderbeaufsichtigung mit sich. Fabrikarbeiterinnen mit kleinen Kindern hatten entweder die Möglichkeit ihre Kinder einem älteren Kind zur Aufsicht zu überlassen oder sie zu einer "Kostfrau" zu geben, wobei die Kosten für die Unterbringung ein Drittel des Wochenlohns einer Arbeiterin betrugen. Nicht selten behalf man sich damit, den Kindern Schlafpulver zu verabreichen und sie dann zu Hause einzusperren bzw. kleinere Kinder mit in die Fabrik zu nehmen, in eine Kiste zu setzen und diese an einer Schnur baumelnd an der Decke der Werkstatt zu befestigen.

Englische bzw.schottische Sozialreformer wie Samuel Wilderspan und Robert Owen betrachteten es deshalb als eine der dringlichsten Aufgaben der Sozialfürsorge für die Kinder des Proletariats Bewahranstalten als Auffanglager zu errichten. Dort sollten die Kinder einerseits durch moralische und sittliche Erziehung davor bewahrt werden später einmal straffällig zu werden. Andererseits versuchte man den Kindern durch einen festgelegten Betätigungsplan Fertigkeiten beizubringen, die sie für die künftige Fabrikarbeit besser befähigen sollte.

Anders gelagert waren die Ziele der Kleinkinderschulen und des "Kindergartens", der 1840 vom deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel gegründet wurde. Der Aufenthalt im Kindergarten sollte den bürgerlichen Kindern zur Erbauung und pädagogischen Förderung dienen und war als Ergänzung zur Erziehung in der Familie und zur Vorbereitung auf die Schule gedacht. Der Beruf der Kindergärtnerin nahm auch klar in den Einrichtungen für die Kinder bürgerlicher Schichten seinen Ausgang, wo man Wert auf eine gute allgemeine Ausbildung des Personals legte. In den Bewahranstalten hingegen hielt man keine besondere Qualifikation des Personals für erforderlich. In den frühen Einrichtungen für die Sprösslinge von Fabrikarbeiterinnen wurden bis zu 200 Kinder von 2 (!) "Kinderwärterinnen" beaufsichtigt.

Exkurs: Kinderarbeit

Dabei sollte nicht übersehen werden, dass im 19. Jahrhundert Kinderarbeit in unseren Breiten eine wichtige Verdienstquelle für arme Unterschichtfamilien bildete. Kinder stellten billige und vielfältig einsetzbare Arbeitskräfte dar, die durch ihre geringe körperliche Größe auch in den engsten Stollen in Bergwerken arbeiten konnten. Deshalb wurde die Einführung der allgemeinen Schulpflicht von den Unterschichten auch nicht sehr begeistert aufgenommen, da sie einen klaren Verdienstentgang für die Familien bedeutete. Oft wurden Kinder direkt von den Kinderbewahranstalten weg im Alter von etwa 6 Jahren für den Fabrikdienst verpflichtet.

Kinderarbeit ist aber auch heute in vielen Ländern der Welt üblich und lediglich eine kleine Minderheit von Industriestaaten ist in der privilegierten Situation, ihren Kindern kindgerechte Lebensbedingungen zu ermöglichen. So berichtet beispielsweise die Organisation "Terre des Hommes", die sich dem Kampf gegen Kinderarbeit widmet:

"211 Millionen Kinder unter 15 Jahren müssen weltweit arbeiten; 186 Millionen dieser Kinder schuften unter ausbeuterischen Bedingungen. Die größte Verbreitung hat Kinderarbeit in Afrika südlich der Sahara. Hier arbeitet fast jedes dritte Kind (29 Prozent). In Asien ist es jedes fünfte Kind (19 Prozent), in Lateinamerika jedes sechste Kind (16 Prozent). Zum Vergleich: In den Industriestaaten arbeitet jedes 50ste Kind. Kinder (...) arbeiten mit ihren Eltern in der Landwirtschaft, sie verdingen sich auf den Straßen der großen Städte als Schuhputzer, Zeitungsverkäufer oder Lastenträger, sie betteln, sie schuften isoliert und ohne Pause als Dienstmädchen."

www.oneworldweb.de/tdh/themen/kinderarbeit
und www.rugmark.de

Mag. Regina Egger, Geschäftsführerin der Kinderdrehscheibe in der Volkshilfe Steiermark - Zeitung fuer Eltern magazine