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Vom Frauenberuf zur allgemeinen Anerkennung

Viele Frauen der gehobenen gesellschaftlichen Kreise erachteten es als eine ihrer wesentlichen gesellschaftlichen Aufgaben, sich um die Erziehung armer Unterschichtkinder anzunehmen. So ging der Gründung eines Kindergarten oder einer Bewahranstalt auch meist die eines eigenen Frauenvereins zur Förderung von Kindern voraus. Auf eine Frau, nämlich Emma von Wickenburg geht auch die Gründung der ersten Bewahranstalt in Graz 1831 zurück.

Eine formale Berufsausbildung war für die Kindergärtnerinnen der Pionierzeit noch nicht notwendig. Vielmehr erachtete man als wesentliche Voraussetzung für diesen Beruf eine naturgegebene Mütterlichkeit, die angeblich den Frauen eigen sei. So sind jene Imageprobleme, die dem Beruf der Kindergärtnerin auch heute noch anhaften, bereits in den Anfängen begründet. Zwar wollte Friedrich Fröbel zu Beginn noch hauptsächlich Männer für die Arbeit in den Kindergärten ansprechen und schrieb den Frauen in erster Linie eine tragende Rolle in der Kindererziehung innerhalb der Familie zu, doch entstand mit zunehmender Professionalisierung im 19. Jahrhundert sehr bald ein typischer Frauenberuf.

Die pädagogische Theorie wurde in erster Linie von Männern grundgelegt, für Frauen aber schufen sie ein Berufsfeld, in dem diese den Männern arbeitspolitisch nicht gefährlich werden konnten und in ihrem pädagogischen Wirken durch sie bestimmt blieben. Friedrich Fröbel selbst genoss bei vielen Gründerinnen von Kindergärten hohe Anerkennung, manchmal bis hin zu fast religiöser Verehrung. Seine Worte wurden Bibelzitaten gleichgestellt.

Ein Charakteristikum für den Beruf der Kindergärtnerin aber auch den der Lehrerin vor dem ersten Weltkrieg war, dass man von Frauen verlangte zugunsten des Berufs auf die Familie zu verzichten und sich der Erziehungsaufgabe von Kindern quasi zölibatär zu widmen. Mit der Gründung der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen im Jahr 1914 wurde die Ausbildung für den Beruf der Kindergärtnerin auch ausschließlich auf Frauen festgelegt.

Im Fächerkanon der damaligen Ausbildung fanden sich Gegenstände wie Erziehungs- und Kindergartenlehre, Elemente der Heilpädagogik, weibliche Handarbeiten, Fremdsprache und Instrumentalmusik. Die Zwischenkriegszeit brachte dann die Ausbildung einer einheitlichen Schlussprüfung und die Integration der Hortausbildung. Seit 1962 wurden die Bildungsanstalten für Kindergärtnerinnen auf vier Jahre und ab dem 14. Lebensjahr festgelegt. Seit 1986 kann man in den BAKIP's eine Reifeprüfung ablegen und damit die Befähigung für ein Hochschul- bzw. Fachhochschulstudium erwerben.

Die Berufsgruppe steirischer Kindergarten- und HortpädagogInnen

Bereits 1981 kam es zur Gründung einer eigenen steirischen Berufsgruppe für Kindergarten- und HortpädagogInnen, deren Ziel es von Anfang an war, für bessere Arbeitsbedingungen der PädagogInnen zu kämpfen. Das Augenmerk galt hier in den Anfangsjahren vor allem einer Senkung der Kinderanzahl in den Gruppen und der besseren dienstrechtlichen Absicherung der Kindergärtnerinnen. Ein wesentliches Interesse war aber auch von Beginn an, für Kindergarten- und HortpädagogInnen eine Forum zu schaffen, in dem sie sich gegenseitig austauschen und mittels solidarischer Selbstbestimmung die jahrzehntelange Fremdbestimmung durch männliche Erhalter und Pädagogen überwinden sollten.

Heute ist die Berufsgruppe ein nicht mehr wegzudenkender Faktor in der Bewusstseinsbildung der allgemeinen Öffentlichkeit. In vielen Veranstaltungen und in ihrer Präsenz in den Medien sowie in Fortbildungsveranstaltungen für die PädagogInnen wird die Aufmerksamkeit dafür geschärft, wie wichtig die Arbeit im Kindergarten und in anderen Betreuungseinrichtungen hinsichtlich Sozialisation, Betreuung und Bildung unserer Kinder ist. Damit ist der Berufsgruppe steirischer Kindergarten- und HortpädagogInnen als Teil des österreichischen Dachverbandes ein wesentlicher Schritt in Richtung Professionalisierung dieses Berufsstandes gelungen.

Mag. Regina Egger, Geschäftsführerin der Kinderdrehscheibe in der Volkshilfe Steiermark - Zeitung fuer Eltern magazine